Sonntag, 18. Dezember 2016

Türchen 18 - Weihnachtsgeschichte - Teil 3

Es waren jede Menge Bilder. Manche von ihrer Oma alleine als Kind oder junge Frau, andere wiederum mit ihrem Mann oder eins ihrer Kinder. Mia nahm einen Stapel Bilder heraus. Auf dem ersten Bild lachte ihr ihre Mutter als Baby entgegen. Mit dicken Pausbäckchen und nur ein paar Milchzähnen. Sie grinste und steckte das Bild in ihre Hosentasche. Das Durchschauen der Bilder hob ihre Stimmung wieder etwas und am Ende hatte sie bestimmt sechs aussortierte Bilder auf ihrem Schoß liegen. Sie wollte gerade die Bilder in die Box zurücklegen, als sie ganz unten ein Bild fand, welches sie verwirrte. Es war ein Bild von ihr selbst und ihrer Oma aus dem letzten Sommer. Die beiden saßen im Garten von Mia und hielten sich in den Armen. Das Bild war im Gegensatz zu den anderen ziemlich aktuell und auch die Kiste hatte so unberührt gewirkt, dass sie sich wunderte, wie es dort hineingekommen war. Sie drehte das Bild und sah einen kleinen Klebezettel an der Rückseite haften. 'Ich hab dich lieb Mia-Maus. Vergiss das nie.' stand darauf in der schön geschwungenen Schrift ihrer Oma. "Wie seltsam...", murmelte Mia. Am besten würde sie das Bild gleich ihrer Oma zeigen. Die würde ja wohl wissen, wie das Foto in die Kiste gekommen war. Sie nahm ihr Handy, stellte die Kiste wieder zurück und ging dann mit den Fotos in den Händen die Treppen hoch. Sie verriegelte hinter sich die alte Holztür und ging den Flur entlang zurück ins Wohnzimmer ihrer Oma. Rückartig blieb sie im Türrahmen stehen und sah geschockt ins Wohnzimmer. Wo eben noch alles geschmückt gewesen war und die Lichterketten alles in ein warmes Gelb getaucht hatten, war alles grau. Die Möbel waren von Tüchern überdeckt und die Wandschränke waren leer geräumt. "Oma?"rief Mia zaghaft in die Stille erhielt aber keine Antwort. "Oma!" Immer wieder rief Mia verzweifelt nach ihrer Oma und durchsuchte jeden Raum. Doch alle waren grau, leer und sahen aus als hätte ihr nie jemand gewohnt. Tränen brannten in ihren Augen als sie wieder im Wohnzimmer stand. Plötzlich hörte sie eine Stimme aus dem nichts. "Mia! Mia hörst du mich? Mia du musst aufwachen."
Erschrocken schlug sie die Augen auf. Sie lag in ihrem Bett und neben ihr saß ihre Mutter. "Was hast du denn geträumt Liebling?"fragte ihre Mutter besorgt und wischte ihre Tochter über die nassen Wangen. "Nichts...",murmelte sie und setzte sich in ihrem Bett auf. Ihre Mutter seufzte und erhob sich dann. "Dein Kleid hängt im Bad. Deine schwarzen Stiefel stehen auch dort. Beeil dich etwas ja? Wir müssen in einer halben Stunde bei der Beerdigung sein." Nachdem ihre Mutter das Zimmer verlassen hatte, fuhr sich Mia durch die Haare und seufzte traurig. Ihr Blick fiel auf die graue Box, die seit dem Tod ihrer Oma auf ihrem Nachttisch stand. Ihre Eltern hatten sie im Keller gefunden mit ihrem Namen darauf und einer Nachricht ihrer Oma, dass Mia diese Kiste bekommen sollte, weil sie die Bilder darin immer gemocht hatte. Traurig nahm sie sich die Kiste auf den Schoß, stockte jedoch als sie merkte, dass sie deutlich schwerer war als am Abend zuvor. Mia hob verwirrt den Deckel von der Kiste. Ihr Atem stockte als sie sah, was der Grund für den Gewichtsunterschied war. Nach einem kurzen Moment des Schocks, griff sie mit zitternden Fingern in das Innere und nahm den schön funkelnden Weihnachtsstern heraus. Sie drehte ihn hin und her. Immer wieder kniff sie die Augen zusammen um sicher zu gehen, dass sie nicht träumte. Aber es war Wirklichkeit. Den Weihnachtsstern ihrer Oma, den sie im Traum die ganze Zeit gesucht hatte, hielt sie nun in den Händen. Plötzlich bemerkte sie einen Zettel auf den Fotos in der Kiste, der auch nicht dagewesen war. Sie nahm ihn heraus und faltete ihn auf. Mit angehaltenem Atem laß sie die Schrift ihrer Oma. "Und? Glaubst du jetzt an Weihnachtswunder?"

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